Das Leben des Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg

Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg

Da dieser Herzog auf dieser Internetseite hin und wieder Erwähnung findet, möchten wir ihn hier ein wenig näher vorstellen. Ernst der II. von Sachsen-Altenburg, den wir auch gern als "unseren Herzog" bezeichnen, ließ um 1917 den Herzogstuhl erbauen, ein kleines, turmartiges Gebäude inmitten des Riesenecks. Da dieser außergewöhnliche Bau ein besonders reizvolles Ausflugsziel ist, bildet er gewissermaßen das Herzstück des Waldes und verleitet dazu, sich dessen Bauherrn ein wenig näher anzuschauen.

 

Herzog Ernst "erschien entschieden mit großen Schwung"1 am 31. August 1871 in Altenburg, wie viele Jahre später seine Tochter Charlotte in einem Brief an ihn seine ungewöhnlich schnelle Geburt beschrieb. Seine Kindheit verbrachte er auf verschiedensten Schlössern in ganz Thüringen, bevor er 1884 das Gymnasium in Dresden besuchte.

Bereits kurze Zeit später begleitete er seinen Onkel, den zu dieser Zeit regierenden Herzog Ernst I. von Sachsen-Altenburg, zu diversen staatlichen und repräsentativen Anlässen, da diesem kein eigener Sohn als Thronfolger beschieden war.

So kam Ernst II. schon frühzeitig in den Genuss einer sehr umfassenden Bildung, die ihn auf die spätere Regentschaft vorbereiten sollte.

Ein Teil der Erziehung bestand in regelmäßigen Besuchen von Theaterstücken in verschiedenen Städten, was bereits in frühen Kindertagen Ernsts große Leidenschaft für das Theater weckte, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte.

Doch auch der Geist des Erfinders schlummerte in unserem Herzog, was sich im Alter von 6 Jahren darin zeigte, dass er den Tod seines Lehrers zu überwinden versuchte, indem er mit einem selbstgebauten Boot das Land verlassen und den Ozean überqueren wollte. Dieses Vorhaben scheiterte vorzeitig noch innerhalb der Schlossmauern.

Um 1891 begann er das Studium an den Universitäten Heidelberg und Jena. Auch hier fiel Ernst mit seinem adelsuntypischen und unangepassten Verhalten auf und gründete mit ein paar Freunden den "Anti-Aristokratieklub" um ein Zeichen gegen die dekadenten und dem Alkohol wohl sehr zugeneigten adligen Kommilitonen zu setzen. Zu dieser Zeit fand er auch den Weg zu den Saxo-Borussen, einer heidelbergschen Burschenschaft in deren Reihen er sich sehr wohl fühlte und viel Anerkennung genoss, wenngleich er als Mitglied des Adels zu seinem großen Bedauern nicht scharf fechten durfte.

Im Anschluss an das Studium begab sich Ernst zum Militär und erreichte 1894 den Offiziersrang. Nach diesen recht harten Jahren wurde es langsam Zeit für ihn auf Brautschau zu gehen. Dies glückte Ernst vortrefflich, da er auf die schöne und temperamentvolle Adelheid zu Schaumburg-Lippe traf. So fand 1898 eine für diese Zeit untypische Liebeshochzeit statt und das junge Paar richtete sich zunächst in einer stattlichen Villa in Potsdam ein. Die beiden galten als äußerst fürsorglich und achteten darauf, dass ihre Bediensteten es beinahe ebenso gut hatten wie sie selbst. Dieses Interesse für die Gesellschaft und für andere Menschen, auch wenn sie nicht adligen Geblüts waren, zeichnete Ernst sein ganzes Leben lang aus.

Der Nachwuchs ließ nicht allzu lang auf sich warten und so freute man sich im Laufe der Zeit über insgesamt vier offizielle Kinder.

Über das Liebesleben des Herzogs lässt sich viel spekulieren und das wurde auch getan, sowohl zu seinen Lebzeiten als auch bis heute. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass es das eine oder andere uneheliche Kind gibt und sich sein Interesse am Theater auch bis hin zu den schönen und talentierten Schauspielerinnen erstreckte.

Letztlich führten seine Affären dazu, dass Adelheid sich nach der Abdankung des Herzogs 1918 gezwungen sah, die Ehe mit den Worten, "als Landesmutter habe ich die Schmach ertragen, als (nur noch) Ehefrau, bin ich dazu nicht mehr bereit", zu beenden.   

Die herzogliche Familie ca. 1906
Adelheid zu Schaumburg-Lippe

Die herzogliche Familie ca. 1906Adelheid zu Schaumburg-Lippe

1908 erfuhr das Leben von Ernst einen großen Einschnitt, da sein Onkel verstarb und ihm die Regentschaft vererbte. Er war von Stund an: Herzog zu Sachsen-Altenburg, von Jülich, Kleve und Berg, auch Engern und Westfalen, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Mark und Ravensburg, Herr zu Ravenstein und Tonna. All diese Titel konnte er nicht lange genießen, da ihm der erste Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung machte. Die Tatsache, dass er tapfer an der Front kämpfte und ein angesehener Feldherr war, rettete ihn nicht vor dem mit Kriegsende eintreffenden Ende der Monarchie. Er verlor all seine Titel und gab sich selbst den Namen Freiherr vom Rieseneck, da er diesen Ort so sehr liebte. Noch während des Krieges ließ er deswegen den Herzogstuhl dort errichten, womit er einigen Unmut des Volkes auf sich zog, welches ihm ausschließlich amouröse Absichten unterstellte und es für unsäglich hielt, mitten im Krieg ein solches "Lustschloss" zu errichten. Die weiteren Jahre verliefen sehr unstet. Ernst kaufte mehrere Häuser in Berlin und wollte eines davon mit seiner neuen Frau, der Opernsängerin Marie Triebel, beziehen, konnte sich jedoch nicht recht entscheiden wo er leben wollte. Nach langem hin und her entschied er sich schließlich, in das alte Wasserschloss in Wolfersdorf namens "Fröhliche Wiederkunft" zu ziehen, dessen Erbauer von Ernst sehr bewundert wurde. Es handelt sich um keinen geringeren als den als "Hanfried" bekannten Kurfürsten Johann Friedrich I., den Gründer der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Hier verbrachte er den Rest seines Lebens, jedoch schwanden Wohlstand und Besitz mit den Jahren dahin. Als 1948 das "Gesetz über die Enteignung der ehemaligen Fürstenhäuser des Landes" in Kraft trat, verlor Ernst schlussendlich seinen restlichen Besitz Er konnte sich jedoch das lebenslange Wohnrecht in der "Fröhlichen Wiederkunft" bewahren. Dies ist vermutlich auf die guten verwandtschaftlichen Beziehungen zu Russland zurückzuführen, da seine Schwester Elisabeth mit einem russischen Großfürsten verheiratet war. 1955 im Alter von 82 Jahren starb er schließlich eines natürlichen Todes und gilt damit als der einzige ehemalige deutsche Bundesfürst, der noch Bürger der DDR wurde. Ernst wurde in der von ihm selbst entworfenen Grabstätte "Krähenhütte" beigesetzt, in der Elisabeth bereits seit einigen Jahren ruhte. Zwei Jahre später folgte ihm seine zweite Frau Marie Triebel, die ebenfalls dort begraben wurde.

 

Das zwischen Trockenborn und Wolfersdorf befindliche Grab hat einen ganz besonderen Charme und wer auf des Herzogs Pfaden wandeln möchte, sollte es sich nicht entgehen lassen. Es liegt an einem leichten Hügel und ist von immergrünen Pflanzen gesäumt. Im Frühjahr ist es besonders prachtvoll, da überall der Rhododendron wächst. Auf dem Grab kann man weiterhin das vom Herzog selbst entworfene Zeichen entdecken, auf das man immer wieder stößt, wenn man sich mit Ernst beschäftigt. Es handelt sich um ein Siebeneck, dessen Ecken für die Mitglieder seiner Familie stehen, einschließlich seines Hundes "Schleich", der ihn sogar im Krieg treu begleitete. Die Idee dafür hatte er aus Goethes Faust, als Mephisto in Fausts Studierzimmer über ein Pentagramm stolperte. Unter anderem befindet sich dieses Siebeneck auch am Herzogstuhl sowie auf einzelnen Gegenständen aus seinem Privatbesitz. Er nutze es darüber hinaus als Ex Libris.

Ernst mag keine bedeutende Rolle in der Geschichte Deutschlands gespielt haben und ist auch nicht für große Heldentaten bekannt. Dennoch war er eine überaus interessante Persönlichkeit mit vielen Interessen und für einen Adligen zu dieser Zeit untypische Ansichten. Wer sich näher mit ihm beschäftigen möchte, dem sei das Buch von Uwe Gillmeister "Vom Thron auf den Hund" ans Herz gelegt. Dieser einzigartig detaillierte Bericht über das Leben von Ernst II. von Sachsen-Altenburg lässt kaum eine Frage offen. So kann man unter anderem erfahren was der Herzog wann speiste und wie die Sumpfantilope ins Wasserschloss kam. Der Grund, weswegen Ernst nicht im Schloss seines Onkels in Hummelshain leben wollte sei hier schon verraten: "Da regnet es immer, da gucken sie immer zum Fenster rein“.